Man soll auch mal Fünfe grade stehen lassen – selbst in der Leistungsgesellschaft in der wir leben. Was, wenn man das nicht will oder kann? Wenn man lieber seine Grenzen austestet und sich mal die Finger verbrennt?

 

 

Erkenne, wenn etwas „gut“ war?

Vor nicht allzu langer Zeit stand ich vor 80 Frauen und sagte – etwas unbedacht: „Wir werden alle Feedbacks heute sammeln und es nächstes Mal noch besser machen.“ Was als Wertschätzung an die Teilnehmerinnen und Ansporn für eine positive Veränderung gedacht war, wurde aber nicht von allen so verstanden. „Warum können wir Frauen nicht auch einfach mal sagen: Wir haben das gut gemacht?“ Das Wort „besser“ beinhalte immer auch eine negative Konnotation, mit der wir uns schlecht machen. Warum nicht einfach sagen, dass man es nächstes Mal „anders“ machen könne.

Ich habe mir das lange durch den Kopf gehen lassen. 

 

Negativ-Fokus: Verhinderer oder Beschleuniger?

Vermutlich hatte die Kollegin recht. Aber nicht nur. Vielfach ist es wirklich so, dass wir nicht anerkennen, wenn eine Momentaufnahme perfekt ist. Wir sind fokussiert auf das, was noch besser ginge anstatt zu feiern und uns stolz auf die Schultern zu klopfen.

Für mich persönlich gilt aber, der Fokus auf die vielen kleinen Details, die man noch optimieren könnte, spornt mich an. Warum sollte ich etwas „anders“ machen wollen, wenn es dann nicht auch „besser“ würde?

Ja, das ist zeitweilen anstrengend und Euphorie-Stürme sind eher kurze Brisen. 

 

 

Der Weg ist das Ziel

Doch was, wenn man sagt: „Das war jetzt good enough?“ Man hat das Ziel erreicht. Und dann? Braucht es dann ein neues Ziel, um weiterhin motiviert zu sein oder hält das Endorphin an?

Darum gilt für mich wohl: Der Weg zur Optimierung ist mein Ziel. Ich bin fasziniert von Veränderung. Von Grenzerweiterungen und das Kribbeln vor dem Moment, wenn sich alle Teile zu etwas Neuem zusammenfügen. Ohne, dass man weiss, ob die Zahnräder sich noch weiter drehen oder ob man nun tatsächlich den „Good Enough“ Zustand erreicht hat.

Ich zerre daher vermutlich wirklich mehr vom Adrenalien als vom Endorphin. Auch, wenn ich gelernt habe den Augenblick zu geniessen, wenn eine Veränderung Form annimmt.